Zeitenwandel

Von der Atom- zur Sonnenuhr

Rund zwölf Stunden dauert es, bis der Kleber ganz trocken ist. Dann aber wirkt er für die Ewigkeit.

Sein Atelier dient vor allem der Entwicklung der Ideen und seiner Reflektionen über die Zeit. „Das Thema hat viele Facetten und eine sehr lebendige Seite. Zeit ist etwas Veränderliches und seine Geschichte ist faszinierend – angefangen von der Sonnenuhr bis zur aktuellen Atomuhr.“ Gerade sitze er an einer Uhr, die sich mit der Stellung des Mondes zur Erde beschäftige. „Es geht um die Frage, wo der Mond gerade sichtbar ist. Dabei interessiert mich die Stellung der Erde, der Sonne und des Mondes zueinander – mit Längen- und Höhengrad.“ Man merkt, dass Alain Persouyre das Thema Zeit regelrecht verinnerlicht hat und sehr wissenschaftlich an seine Kunstobjekte herangeht.

Das nötige Wissen hat er sich über die Jahre angeeignet. Von Beruf aus ist Alainpers eigentlich Elektroingenieur. Nach dem Studium arbeitete er in der Luftfahrt. Von dort wechselte er in ein Büro für Industriedesign. „Dieser Jobwechsel wirkte wie eine Art Initialzündung für mich. Die Industrie arbeitet mit sehr engen und strengen Vorgaben. Im Design ist es lockerer.“ Doch die Pflichtenhefte dieser Branche schränkten ihn noch immer zu sehr ein. Der aus Zentralfrankreich stammende Ingenieur schrieb sich daher an der Kunsthochschule ein und machte sich nach dem Abschluss direkt selbstständig. „Ich habe bereits als Kind gerne Objekte geschaffen. Jetzt setzen nur noch die Technik und ich mir selbst die Grenzen.“

Freie Hand vom Auftraggeber

WACKERs Siliconkleber ist völlig durchsichtig, so das nichts von den Lichteffekten ablenkt.

Von Anfang an habe er von seinen Auftraggebern meist „freie Hand“ bekommen. Vieles sei realisiert worden, aber auch vieles nicht. „Die Achtziger waren bessere Zeiten, um große Objekte in die Tat umsetzen.“ Heute arbeitet er mehr an kleineren Skulpturen für Privatpersonen, wie die aus einem groben, runden Kristallreifen geformte LED-Uhr „Blue Ice Block“. Das formschöne, in verschiedenen Blautönen schimmernde Objekt mit weißer Lichtdiode könnte als Essenz von Alainpers Designzielen herhalten: „Bei meiner Arbeit geht es mir um drei Punkte: Um die Schönheit des Objekts, die unbegrenzte Freiheit in der Gestaltung und um die Lebendigkeit, mit der ich die Zeit darstellen will.

An der Wand gegenüber huscht wieder einmal ein Sekundenstrahl über die monochromen Wandbilder. Wann und in welchem der vier Bilder der nächste Lichtblitz auftaucht, weiß sein Erfinder selbst nicht. „Bei diesem Werk habe ich es so eingestellt, dass die Sekunden nach einem Zufallsprinzip zu sehen sind“, erklärt der Designer und lacht. Manchmal tritt eben auch die Zeit aus ihrem strengen Gerüst und genießt die Freiheit, nach der Alain Persouyre solange gesucht hat.